2015. augusztus 12., szerda

Sechzehnhundertneunundachtzig

Ballade der schwäbischen Siedler

Die ersten fanden den Tod,
die zweiten hatten die Not,
und die dritten erst das Brot.
(Spruch der deutschen Siedler aus dem 18. Jahrhundert)


Zu einer langen Reise brechen wir auf,
Das Herz schmerzt beim Blick auf das alte Haus.
Hier gibt’s kein Leben, keine Zukunft mehr,
Und nur Gott steht uns bei, nur er.
Er allein führt uns an der Hand:
Im Schwarzwald und im Donauland,
Auf den Zillen in Wind und Wogen,
Wenn Not und Gefahr’n um uns toben.
Los Gefährten, beeilt euch geschwind,
Für’s alte Heim eine neue Heimat gewinnt!

Die Trennung ist schwer und so auch der Weg.
Gibt’s für die Verheißung denn einen Beleg?
Die Höfe, das Land, die günstigen Steuern,
die fruchtbaren Böden, die sie uns beteuern?
Die zurückgeblieben, werden an uns noch denken?
Sie zweifeln, ob wir eine neue Heimat finden werden.
Doch freut sich die Sippschaft auch insgeheim,
Mit uns braucht sie nun nichts mehr zu teil’n.
Los Gefährten, beeilt euch geschwind,
Für’s alte Heim eine neue Heimat gewinnt!

In der Truhe all unser Hab und Gut,
Ein wenig Gewand, Gerätschaft und Mut.
Und zu alleroberst die Bibel darauf,
Wir glauben: Gott passt auf uns auf.
Was wir sonst hatten, blieb zu Hause zurück,
Unterwegs nagt der Zweifel nun Stück für Stück:
In Gegenden fremd und unbekannt,
Hat die Angst die Herzen übermannt.
Los Gefährten, beeilt euch geschwind,
Für’s alte Heim eine neue Heimat gewinnt!

Wenn wir unter Qualen durch dichten Wald
Die blaue Donau erreichen bald,
Überlassen wir unsere geschundenen Seelen
Dem dürftigen Schutz der löchrigen Zillen.
Seh’n die Häuser von Ulm in der Ferne verschwimmen,
Und heiße Tränen im Wasser des Flusses zerrinnen.
Tagen voller Gefahr auf der Donau müssen wir uns stellen,
Viele lassen ihr Leben in den schäumenden Wellen.
Los Gefährten, beeilt euch geschwind,
Für’s alte Heim eine neue Heimat gewinnt!

Die wir das Ende des Weges am Wasser erleben,
Fassen Mut, unserem Ziel Ungarn zuzustreben.
In Wagen umsteigen und Pferde wir schirren,
Doch müssen wir auf uns gestellt herumirren.
Wo der Weg ist und wie lang, keiner kann’s sagen,
Niemand hat Antwort auf unsere Fragen.
Die Räder dreh’n sich schwer, haben nichts, sie zu schmieren,
Sie schrei’n, als würden auch sie ihre Heimat verlieren.
Los Gefährten, beeilt euch geschwind,
Für’s alte Heim eine neue Heimat gewinnt!

Das Rollen des alten Wagens gnadenlos rüttelt,
Hätt’ die Seele fast aus dem Leib uns geschüttelt,
Bis wir in wildem Ödland landen,
Fest von Bergen umstanden.
Ruinen, Unkraut und Wildnis rundherum,
Verlass’ner Boden, schmerzvoller Anblick, warum?
Es ist nicht die Verheißung, der Garten Eden,
Hier wird es kaum etwas zu essen geben.
Zu Ende ist der Weg, erreicht das Ziel,
Mit erhobenen Händen zum Himmel beten wir!

Als unsere Blicke über die Landschaft schweifen,
Fällt der Schleier von den Augen, und wir begreifen.
Dies ist kein Paradies, nur Tränen, Blut und Schweiß,
Und wir wissen nun endlich, was Gott schon lange weiß.
Die neue Heimat wird uns nicht billig gegeben:
Wir müssen sterben, um weiter zu leben.
Für die Nachkommen zu bauen ist unser Los,
Gottes Saat wird erst durch uns’re Arbeit groß.
Zu Ende ist der Weg, erreicht das Ziel,
Mit erhobenen Händen zum Himmel beten wir!


Werischwar, den 9. August 2015

(Aus dem Ungarischen von Maria Mirk, lektoriert von Katalin Pomikacsek)

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